Donnerstag, 28. Februar 2013

"Cooooobrraaaaa!"

Sunset Weligama

Elefantensafari
Das ich jetzt schon ein paar Tage nichts geschrieben habe liegt hauptsächlich daran, dass sich ein wenig Alltag eingestellt hat. Unser Leben momentan spielt sich zwischen Krankenhaus, Strand und Strandbar ab.

Immer wieder interessante Fälle zeigen sich im medicine-ward. Zum Beispiel haben wir gestern einen Patienten mit Situs inversus bei zystischer Fibrose gesehen. Im Klartext heißt das, er ist innerlich komplett Spiegelverkehrt gebaut, da durch seine Grunderkrankung die Organe in der Embryonalentwicklung nicht an den richtigen Platz "schwimmen" konnten. Also rechts das Herz, links die Leber etc. Außerdem gibt es hier viele infektiöse Krankheiten, die man in einem deutschen Krankenhaus eigentlich nie zu Gesicht bekommt (Dengue-Fieber, Leptospirose, Typhus).
Bei dem Flüchtling mit Beinschwäche (siehe have you heard of rohingya? und carneval nach aschermittwoch) kristallisiert sich nun scheinbar Beri-Beri, eine Mangelernährungserkrankung,  als Ursache heraus. In Deutschland sieht man die Symptome dieser Erkrankung sehr selten bei starken Alkoholikern.
Fischbuffet
Nachdem uns Rice and Curry schon langsam zu den Ohren rauskommt haben wir vor ein paar Tagen mal das lokale Fisch-Buffet ausprobiert. Einige Restaurants bieten große Auslagen mit Fischen an, von denen man sich dann einen aussuchen kann. Der wird dann super-lecker mit Knoblauch und Gewürzen gegrillt. Wir haben uns zu fünft zwei Riesen für umgerechnet ca. 40€ schmecken lassen. Außerdem haben wir jetzt Arrak probiert: ein Schnaps gewonnen aus dem Saft der Kokospalme. Gar nicht so schlecht. Hier wird er meist mit Cola oder als Beigabe zu Cocktails getrunken (Achtung macht Kopfschmerzen!).
Gestern nachmittag haben wir mal Matara ausgekundschaftet. Die acht-größte Stadt Sri Lankas liegt etwa eine Busstunde östlich von Unawatuna.
Muhiyiddeenil Jeelami-Moschee
In dem Getümmel haben wir es allerdings nicht lange ausgehalten und flüchteten in den Chula-Lanka-Tempel, der auf einer winzigen Insel vor der Stadt gebaut wurde. Eine Hängebrücke führt Besucher hinüber.
Auf der Rückfahrt war ich dann noch eine Stunde surfen. Beim Ausleihen des Boards herrschte plötzlich große Aufregung. Unser Verleiher rannte zu seinen Nachbarn und überall wurde Sand aufgewirbelt. Er rief uns zu: "Come here, come here".
manchmal klappt's aber auch
Wir sollten uns in Sicherheit bringen und sahen von weitem dann den Grund für das Durcheinander. Eine ca. 1,5 m große Schlange kroch am Strand entlang. Unser Boardverleiher grinste nur, hob den Unterarm und winkelte die Hand an: "Cobraaaaa!". Leider konnten wir kein Foto von der Schlange schießen aber der Respekt, den so ein Tier auch unter der einheimischen Bevölkerung erzeugt, war spürbar und hat uns schon sehr beeindruckt. Die Indische Kobra gilt als eine der giftigsten Schlangen der Welt, auch wenn sie relativ friedfertig ist. Ihr Biss führt unbehandelt innerhalb weniger Stunden zum Tod (Neurotoxin). 2007 gab es 91 Tote durch Schlangenbiss in Sri Lanka (inklusive der beiden Vipern und Krait-Arten).
so ähnlich sah die aus
 Passend dazu habe ich heute im Krankenhaus einen Patientin mit Vipern-Biss gesehen. Die nächsten Tage gibt’s wieder Neuigkeiten.

Samstag, 23. Februar 2013

Carneval nach Aschermittwoch?


sunset Mirissa
Heute wieder mal ein kurzer Bericht, da wir in den letzten Tagen nicht so übermäßig viel erlebt haben. Die letzte Woche im medicine-ward war ziemlich spannend. Ich weiß noch nicht ob es gut oder schlecht ist, dass sich der Professor meinen Namen gemerkt hat. Immer wenn es irgendwas spannendes zu sehen oder auszukultieren gibt ruft er: "where is Fabian?" (sprich Fäybiyan). Dann darf ich untersuchen, abhören, Röntgenbilder beurteilen.
Am Mittwoch gab es ein teaching für Ärzte und Studenten über HIV. Das lustige daran war, dass nachdem der Referent angefangen hat zu sprechen, ein Gehilfe Essen verteilte.
Jeder Zuhörer bekam eine Plastiktüte mit Croissant, Roti (scharf gefüllte Teigtasche) und ein Trinkpäckchen. Es wurde also wild geraschelt und gegessen - der Referent ließ sich davon nicht stören und fuhr mit seinem Vortrag fort.
Galle-Carneval mit Live-Musik
Die  Mitstudentin aus Manchester erzählte mir später, dass es auch bei denen durchaus üblich sei bei bestimmten Veranstaltungen Essen zu bekommen. Warum gibt's das nicht auch in Deutschland? Das würde sicherlich meine Vorlesungsbesuchsfrequenz steigern.
Von den Flüchtlingen sind nur noch zwei im ward. Der eine hat unklare Fieberattacken und der andere kann seine Beine nicht mehr richtig bewegen. Irgendeine Art Lebensmittelvergiftung oder Vitaminmangel wird vermutet. Anmerkung: Bei der Regierung Myanmars handelt es sich wohl um einen zivilen Präsidenten, der vom Militär unterstützt wird (nicht um eine Militärregierung - vielen Dank für den Hinweis ;) ).
die kleine Meerjungfrau
Die Nachmittage und Abende verbrachten wir mit solch unerfreulichen Dingen wie Strand, Meer, Surfen und Rummelbesuchen. Letzeres wird hier Galle-"Carneval" genannt, ist aber mehr sowas wie ein Jahrmarkt oder Dom. Es gibt Fahrgeschäfte, Shows, viele Fress- und Verkaufsstände, Live-Musik und ein Feuerwerk.Von allen Ständen tönt unglaublich laute Musik oder irgendeiner quatscht ins Mikrofon. Für zwanzig Rupies konnten wir uns hier die wirklich gefährlichen Schlangen der Insel angucken: Kraits, Vipern und Kobras.
Frühstück mit Ceylon-Tee
Einen sehr schönen Strand haben wir in Mirissa entdeckt. Die Surfversuche in Welligama nehmen mittlerweile echt an Häufigkeit zu - es macht einfach tierisch Laune.
Morgen geht es evtl. zu der Navam Poya (dem Vollmondfest im Februar) nach Colombo zur großen Prozession.

Dienstag, 19. Februar 2013

Have you heard of "Rohingya"?

Blick vom Ella-Rock auf little Adams Peak

So, ein paar Tage nicht geschrieben, da muss man schon ganz schön was aufholen. Jetzt haben wir schon wieder zwei Krankenhaustage hinter uns, die teilweise echt beeindruckend waren. Stehen geblieben waren wir am Samstag in Ella. Nachdem wir also am Freitag durch die Horton Plains gewandert waren, hatten wir auch am Samstag Lust die Wanderschuhe zu schnüren. So machten Jasmin und ich uns auf den Weg zum Ella-rock, der höchsten Erhebung in der Umgebung. 
finde das Chameleon
Die Wanderung war mit ca. 4 Stunden veranschlagt, allerdings war es nicht so leicht die Wege zu finden, da wirklich nichts ausgeschildert war. Zunächst mussten wir ca. 3 km auf den Bahnschienen laufen. Anschließend wies unser Reiseführer uns an, links abzubiegen. Als wir die angegebene Stelle noch nicht ganz erreicht hatten rief uns ein Einheimischer hinterher, dass wir schon zu weit gegangen sind, zum Ella-rock gehe es hier lang und wies auf einen kleinen Trampelpfad. Wir haben das erstmal geglaubt und sind ihm gefolgt. Der Weg wurde aber kleiner und kleiner und plötzlich waren wir mitten im Dschungel. Da haben wir dann doch ein klein wenig Angst bekommen, da wir doch nicht sicher waren, ob wir nicht wieder auf irgendetwas hereinfallen (siehe gute Freunde -schlechte Freunde). Also gingen wir unter Protest des Sri Lanker weiter den Weg, der im Reiseführer beschrieben war. 
Spaziergang auf den Gleisen
Nach einigen hundert Metern trafen wir auf einen Art Bauerngehöft und fragten eine Einheimische Frau nach dem Weg. Sie wies in eine Richtung und wir gingen los bis wir, noch in Sichtweite der Frau, auf einen Betelnuss-kauenden Einheimischen trafen. Er wies uns in die andere Richtung und deutete uns mitzukommen. Nach einem kurzen Blick zurück zu der Frau, die uns kopfschüttelnd zeigte nicht mit dem Mann mitzugehen, waren wir vollkommen verwirrt. Letztendlich vertrauten wir auf die Frau und trafen dann auch bald auf Ausländer. Der Aufstieg war wirklich sehr steil und beschwerlich, die Aussicht auf dem Gipfel entlohnte uns aber für die Mühen. Schließlich fing es dann zu gewittern an, so dass wir uns für den Abstieg einer Gruppe mit Führer anschlossen. Um den Kreis zu schließen, kamen wir am Ende dort wieder raus, wo uns der erste Einheimische durch den Dschungel-Pfad führen wollte. Wir haben uns letztendlich die unterschiedlichen Meinungen dadurch erklärt, dass viele Einheimische die Ausländer gegen ein Entgelt auf den Gipfel führen wollen und daher auch die 
Werbefoto für unseren Reiseführer
Wegbeschreibungen der Reiseführer oder Anwohner madig machen. Eine Sri-Lanka-Erfahrung wie sie im Buche steht. 
Am Sonntag machten wir uns dann auf die Rückfahrt von Ella über Wellawaya nach Matara und von da aus zurück nach Galle bzw. Unawatuna, wo wir am Abend unser Apartment beziehen konnte. Die Koffer holten wir noch spät mit dem Tuk-Tuk von Freunden ab, damit wir am Montag mit frischen Klamotten in die Klinik starten konnten.
Das Apartment ist wirklich traumhaft. Wir haben zu viert zwei Zimmer mit jeweils eigenem Bad, eine große Wohnküche und ein Wohnzimmer mit Sitzecke. Draußen gibt es einen schmalen Balkon, der sich um das gesamte Apartment zieht. Zum Strand sind es etwa 200 m und zur Bushaltestelle nach Galle etwa 150 m. Alles ist wirklich sauber und nach den teilweise seltsamen Unterkünften auf der Reise einen echte Erholung. 
Gipfel - was macht der Hund hier oben?

Das beeindruckenste Ereignis dieser Tage fand jedoch im Krankenhaus statt: Am Montag hörten wir schon vor der Visite von einer Mitstudentin aus Manchester, dass es irgendeine Art Boot-Unglück gegeben habe und dass daher viele Patienten am Wochenende aufgenommen wurde. Wir haben uns gefragt, waren die Verunglückten in der Inneren Medizin liegen und nicht chirurgisch behandelt werden. Wir haben dann im Laufe der Visite auch den eigens für diese Extra-Patienten reservierten Ward besucht. Dort zeigte sich ein unglaubliches Bild: Der ganze Ward war belegt mit jungen muslimischen Männern im Alter von vielleicht 20-40 Jahren. Der Oberarzt begrüßte alle mit "Salam aleikum". Das war dann auch die einige Form der verbalen Kommunikation, die möglich war. Es stellte sich heraus, dass die Patienten Flüchtlinge aus Myanmar sind, die bei dem Fluchtversuch mit einem Holzboot gekentert waren. Sri Lankische Fischer haben das wohl mitbekommen und so konnten die Flüchtlinge von der Navy gerettet werden. Der Zustand der meisten Patienten war erstaunlicher Weise relativ gut. Viele wurden wegen Dehydrierung behandelt, einige hatten aber auch ernsthaftere Verletzungen (Narben, Wunden) oder Fieber. An den Bettpfosten waren Handschellen befestigt, mit denen die Patienten wohl nachts an weiteren Fluchtversuchen gehindert werden sollen und im Gang tummelten sich einige Polizisten. So wie ich das momentan recherchiert habe handelt es sich bei den Flüchtlingen um Angehörige der so genannten Rohingya, einer muslimischen 
Jasmin und little Ella falls
Bevölkerungsgruppe in Myanmar (Birma), die von den vereinten Nationen als die "am meisten verfolgte Minderheit der Welt" eingestuft wird. Diese Bevölkerungsgruppe wird von der Militärregierung Myanmars nicht als Bürger anerkannt. Es gibt zahlreiche Repressionen und Verbrechen gegen diese Gruppe, in den letzten Wochen und Monaten haben die Gewalttaten erneut massiv zugenommen. Anscheinend versucht die Regierung Myanmars eine Art buddhistischen Staat zu erschaffen, in der die islamischen Minderheiten keinen Platz haben. Viele flüchten daher ins Ausland und leben staatenlos im Exil. Heute habe ich folgenden Artikel zu dem Ereignis gefunden: Charlotte Observer - 32 Myanmar nationals rescued at sea off Sri Lanka. Es ist echt empfehlenswert sich 5 Minuten mit dem Thema zu beschäftigen. - immer wieder erstaunlich, wie wenig man doch über die Verbrechen weiß, die auf diesem Planeten geschehen. Ich habe bis vor diesem Ereignis nicht mal gewusst, dass es in Myanmar eine Militärregierung gibt, die noch dazu unter dem Deckmantel des Buddhismus Minderheiten drangsaliert. 
Mittlerweile sind die Mehrheit der Patienten "entlassen" (wo auch immer sie jetzt sind), nur noch einige wenige schlimmer betroffene werden weiterhin behandelt.
Reisfelder
Uns geht es hingegen hier sehr gut. Grade haben wir ein extrem gutes vegetarisches Restaurant ausprobiert. Bei gutem Wetter geht es morgen nach Welligama zum Surfen. Dann melde ich mich wieder.

Bis ans Ende der Welt



Mittlerweile befinden wir uns über 2 wochen in Sri Lanka. Wir haben uns ein wenig an land und leute gewöhnt und auch das essen bekommt mittlerweile (fast) allen.  
Horton Plains
Zur zeit befinden wir uns in ella auf ca. 1000m über NN. Es handelt sich um ein kleines dörfchen mit nicht viel mehr als einer handvoll strassen, das durch die empfehlungen in reiseführern internationalen bekanntheitsgrad erlangt hat. Dem entsprechend sieht die tourismusindustrie aus: Sie dominiert alles. An jeder ecke gibt es ein guest haus, auch von den
Baker falls
Einwohnern vermietet jeder mindestens ein zimmer und wer das noch nicht tut baut an, um in zukunft auch an dem "touristengeldregen" teilzuhaben. In grösseren unterkünften werden ungewöhlich hohe preise aufgerufen und wenn man versucht zu handeln wird man mit dem hinweis auf den nächsten ankommenden zug ausgelacht. Über die strasse kann man nicht gehen ohne von 20 leute angesprochen zu werden, die versuchen ihre guest-houses oder touren ins umland zu vermitteln.
Nebel am Ende der Welt

Jasmin hilft Chinesin
Überall gibt es baustellen. Was macht also nun den reiz von ella aus? Der blick ins tal ist schon etwas besonderes und die sehr empfohlenen wandertouren zum ella rock und little adams peak werden wir wohl heute mal ausprobieren. 
Nach einer bitterkalten nacht mit viel zu dünnen decken starteten wir gestern um 5:30 uhr morgens zu dem nationalpark "horton plains" - ein weitestgehend unberührtes hochland auf über 2000 m höhe. Hierfür haben wir uns einen van gemietet - keine angst einen fahrer gab's auch dazu.  Spektakulär waren die wildkuh (elch? Rentier?), die gleich zur begrüßung durchs fenster schnupperte und die baker falls. Außerdem gibt es dort bis zu 870 m tiefe abhänge, die touristenwirksam als "worlds end" bezeichnet werden. Hier blieb uns die spektakulärste aussicht, die bei guter sicht teilweise bis zur küste möglich sein soll, durch nebel und wolken verwehrt. Nichts desto trotz war die schlucht schon beeindruckend. Die ganze wanderung dauerte etwa 4 stunden und anschließend ließen wir uns nach ella fahren. 
der Weg zum Ende der Welt
Heute wollen wir hier den tag verbringen und dann morgen die lange reise  (7 stunden?)zurück an die südküste antreten, wo wir dann in unawatuna unser apartment beziehen können. Montag geht dann der ernst des lebens im krankenhaus wieder los.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Herbst

Kandy - Blankenese im Kreis

Rast nach Zahntempel

Wir sind im Herbst angekommen. Zur Zeit befinden wir uns in Nuwara Elia, einem Ort auf ca. 2000 m Höhe. Gerade eben sind wir den single-tree-pfad durch teeplantsgen gekraxelt und wurden von einem regenschauer überrascht. Jetzt sind hier vielleicht noch 16 Grad und statt mosquitonetz und sonnenmilch brauchen wir jetzt lange hosen und warme decken.
Buddhastatur thront über Kandy

Die letzten tage haben wir in kandy verbracht. Dort haben wir die wichtigste buddhistische reliquie überhaupt besichtigt: den backenzahn buddhas. Der befindet sich in mehreren schreinen versteckt in dem sogenannten zahntempel an der nordseite des kandy-sees. Allerdings bekommt man den zahn selber nicht zu gesicht. Die tempelanlage ist aber trotzdem einen besuch wert. 


Blumenopfer für Buddha's Zahn
Nachmittags kletterten wir noch auf einen berg mit einer großen buddha-statur. Von da aus hatten wir einen super überblick über kandy. Heute morgen sind wir in aller frühe nach nuwara-elia aufgebrochen. Diese stadt wurde von der britischen kolonialmacht gegründet. Viel erinnert hier noch daran: viel gepflegtes grass in den vorgärten, kolonialstilhäuser, eine pferderennbahn, ein golfplatz mitten in der stadt und nicht zuletzt das wetter, weswegen es den briten hier oben so gut gefiel: kälte und regen. Die einheimischen laufen selber mit dicken wollpullovern und jacken umher und es gibt strickmützen und handschuhe zu kaufen. Morgen wollen wir die horton plains und worlds end besichtigen, dann gibts wieder einen bericht.
Teeplantage

Gute freunde - schlechte freunde

Zimtbaum
Heute war ein marathon-reise-tag. Momentan befinden wir uns in der ehemaligen königststadt kandy. Aus mount lavinia kommend sind wir mit den zwischenstationen colombo - negombo - katunayake airport - colombo mit dem zug in 3,5 h hierher gelangt. Ereignisreicher war allerdings der gestrige tag:
Bürokratie bei der Visumsverlängerung

Morgens sind wir in die Hauptstadt zur visa-verlängerung gefahren. Dafür hat sich in der rush-hour der zug angeboten, da die busse wohl regelmäßig im verkehr stecken bleiben. In colombo angekommen sprach uns ein mitreisender an: wo wir denn hinwollten? Maradana-Station. Ah imigration-office? Er meinte er erlebe das häufig, dass in dem zug touristen zur visa-verlängeung fahren und bemerkte kurzentschlossen: "I'll show you the way!". Er steig also extra mit uns aus, obwohl er eigentlich noch weiterfahren wollte, nahm mit uns einen bus und wies uns dann noch den weg. Und das ohne eine gegenleistungnzunverlangen - wir waren beieindruckt von der freundlichkeit der menschen hier.  Am bahnhofsausgang wollte der kontrolleur unsere fahrkarte nicht akzeptieren: er schüttelte immer nur den kopf und ließ uns nicht durch. Mit der hilfe unseres neuen freundes klärte sich die sache dann und wir durften passieren.
Kautschuk und Hand des Park-Boss
Unser Freund meinte dann nur: "he's a bad man". Ob der wohl von uns eine kleine extrabezahlung fürs durchlassen erwartet hatte?
Verkehrschaos in Colombo
Die einwanderungsbehörde war extrem überfüllt. Schon auf dem weg dahin musste man sich durch die menschenmassen wühlen. Im umkreis von ca. 500m um die behörde dominieren foto-läden. Für die verlängerung sind passfotos unabdingbar. Erst seit wenigen jahren besteht für eu-bürger visumspflicht in sri lanka. Als erstes muss ein formular ausgefülllt werden mit dem man dann in einer schlange vor einem glasbüro wartet. Hier wird dann das formular und der reisepass gegen eine wartenummer ausgetauscht. Wenn diese nummer aufgerufen wird bekommt man, sofern das visum genehmigt wurde, seine unterlagen zurück und muss sich vor dem kassenbüro anstellen. Hier darf man dann die unterlagen wieder abgeben und muss umgerechnet etwa zwanzig euro bezahlen. Anschließend wartet man wieder auf seine nummer und darf dann den abgestempelten pass wieder in empfang nehmen. Die ganze prozedur hat bei uns etwa 3,5h gedauert. Nicht nur in deutschland sind ämter anstrengend.
Zur entspannung wollten wir uns ein kleines frühstück in dem Viharamahadevi-park gönnen. Doch so weit kam es gar nicht: kaum waren wir in den park eingetreten wurden wir auch schon von einem parkarbeiter, er selber nannte sich "park-boss", angesprochen. Er schenkte jasmin eine blüte und schon waren wir geködert. Eine etwa halbstündige tour durch den park begann. Diese war recht interessant: uns wurden mahagonie-, teak-, zitronen- und orangenbäume gezeigt, der unterschied zwischen den zwei wichtigen kokuspalmenarten erklärt und von den wenigen zimtbäumen, die es da noch gibt ein bisschen rinde abgeschabt - da wünscht man sich gleich einen milchreis dazu. Er bot ständig an uns vor den bäumen oder staturen zu fotografieren und wir ahnten schon, dass er auf trinkgeld aus war. Nach der tour wollte ich ihm dann umgerechnet ca. 1 € geben, was in sri lanka nicht wenig ist.
die Pettah und die Jasmin
Er lehnte beschämt ab. Wir dachten schon "huch sind jetzt hier alle menschen so hilfsbreit und dann sogar peinlich berührt wenn man ihnen eine kleine entlohnung anbietet?" Aber nein, der parkboss sprach "this is to small money!" wir sollen ihm lieber so um die 10€ geben - euros und dollar seien auch ok und zeigte sein portmonnaie mit verschiedenen währungen. Für 10 euro kann man in sri lanka gut eine nacht übernachten- in deutsche verhältnisse umgerechnet wären das dann also ca. 40-50€. Außerdem war ja vorher nichts ausgemacht. Diese vorgehensweise haben wir hier schon öfter beobachtet: ohne zu fragen eine leistung erbringen und dann an das peinlichkeitsgefühl der leute zu appelieren, die denken etwas schuldig zu sein. Es ist einfach sehr schade, da die wenigen leute, die diesen trick anwenden misstrauen gegenüber der gesammten bevölkerung erzeugen, denn sobald man angesprochen wird (siehe netter man vom morgen), vermutet man irgendeinen hintergedanken dabei, so dass ganz zwangloses plaudern kaum mehr möglich ist.
Quetschung
Von dem schock erholten wir uns bei ein paar rotis. Das sind gefüllte  (ei oder gemüse), handtellergroße teigteilchen, die fritiert werden. Dann ging es weiter mit einem streifzug durch colombo. Die wenigen sehenswürdigkeiten waren nicht so beeindruckend. Ganz nett war noch der "galle face" , eine uferpromenade mit unzählichen buden. Bemerkenswert war allerdings der spaziergang durch die "pettah". Hierbei handelt es sich um eine art quirliges einkaufsviertel von colombo. Unzählige geschäfte an den seiten werden gesäumt von strassenhändlern davor. In der mitte tobt dann etwas, was wir ganz  modern "shared space" nennen würden - auf asiatisch bedeutet das: alles fährt, rollt, läuft, schiebt und kriecht durcheinander. Wir haben dann nach 30 min die geduld verloren - es war super dreckig und die luft konnte man durch die abgase fast schneiden.
Galle Face Green
Ein weiteres high-light war die rückfahrt nach mount lavinia. Wir liesen uns auf einen maximal überfüllten zug ein und wurden ordentlich zerquetscht, während an den türen noch leute hingen, die bahn-surfender weise richtung heimat gelangten. Abends gabs noch ein echt leckeres tandoori-hot dog.
Morgen werden wir uns dann, jetzt zu fünft, kandy witmen.

Sonntag, 10. Februar 2013

Mount lavinia und rostige ungeheuer

kanda vihara-tempel

Heute schreibe ich aus mount lavinia einem vorort von colombo. Man kann die 2-Millionen Stadt schon erahnen. Es tummeln sich hier vor allem am wochenende auch hauptstädter, die einen tagesausflug zum strand unternehmen. Vor ein paar minuten waren wir am Meer was essen - jetzt ist zeit für eine kurze aktualisierung.
hostel in bentota

Bentota und vor allem Beruwela hat uns nicht so gut gefallen. Während es in Bentota noch einen sehr schönen langen und breiten Strand gibt, den wir heute auch ausgiebig getestet haben, ist in Beruwela ziemlich viel mit grossen hotelresorts vollgebaut. Außerdem leidet der strand unter der vermehrten errosion und ist an einigen stellen nur wenige meter breit. Interessant war allerdings der besuch im nahen kanda vihara-tempel. Hier steht die mit fast 50m die größte buddhastatur des landes. Beim betreten des tempelgeländes muss man die schuhe ausziehen, was uns angesichts des durch die sonne aufgeheitzten bodenbelags nicht so leicht viel. Die statur an sich ist schon beeindruckend, im inneren befinden sich jedoch noch zusätzlich auf mehreren etagen reliefs und bilder, die die geschichte des ortes,  budhas leben und lehre darstellen. Auch ein relief über die tsunamikatastrophe von 2004 ist dabei. Sri lanka war damals nach thailand das am zweitstärksten betroffene land.
Anschließend probierten wir noch mandu-artige teigtaschen und andere leckerein von der strasse. Für den weiteren Weg richtungn columbo entschieden wir uns heute für einen klimatisierten minibus - einfach weil der zuerst kam und uns quasi reinzerrte.
sunset in bentota
jemand hat spaß




Ein paar kurze worte zu den verkehrsmitteln hier: bahnfahren haben wir noch nicht ausprobiert - es soll aber extrem preiswert sein. Dafür muss man mit überfüllten zügen vorlieb nehmen, die im ganzen land gefühlte 30 km/h fahren. An bussen gibt es hier einmal riesige unklimatisierte rostende ungeheuer. Als der liebe bus-gott die welt erschuf haben die sri lanka busse bei der hupe zweimal "hier" gerufen. Dafür war dann leider kein platz mehr für eine bremse. Dementsprechend ist das fahrgefühl in und die nervosität als fussgänger ausserhalb der busse. Trotzdem reist man sehr preiswert, da diese transportmittel staatlich subventioniert werden und nicht selten wird man von einheimischen angesprochen, was mitunter ganz lustig sein kann. Wird an einem tempel vorbeigefahren springt der busbegleiter kurz raus und wirft eine münze in ein spendenschälchen, die für eine unbeschadete weiterreise geopfert wird. Auch die meisten pasagiere halten kurz inne, verbeugen sich still und murmeln etwas auf singalesisch. Die klimatisierten busse haben einen nicht minder gefährlichen fahrstil, sind etwas teurer und werden meist von geschäfsleuten oder ähnlichen benutzt. Dann bleibt noch das tuk tuk oder three wheeler - was ja wohl in ganz südost-asien bekannt sein dürfte. Das ist im prinzip ein überdachtes moped mit zwei rädern an der hinterachse. Es passen je nach quetschungsgrad 1-6 personen auf die hinterbank (wir haben bisher einmal 4 geschaft und das war schon sau-eng). Die fahrer stehen an jeder ecke und bieten ihre dienste an. Wir haben allerdings die erfahrung gemacht, dass viele fahrer nicht wirklich wissen wo man hin will aber trotzdem nicken und losfahren. Im vergleich zu bus oder bahn ist das tuk tuk eher teuer und eigentlich nur für kurze strecken geeignet.
erodierter schmaler strand in berowela
Heute sind wir in einer ganz netten unterkunft.Zunächst hatte man uns jedoch ein zimmer gegeben, dass nicht abschließbar war. Außerdem haben wir heute kein mosquitonetz. Morgen geht es nach colombo die visa verlängern - übermorgen wird ursu abgeholt und dann gehts weiter nach kandy, wo ein backenzahn buddhas aufbewahrt werden soll - wir sind gespannt.

Samstag, 9. Februar 2013

Surfin' Lanka


Auf der Suche nach dem Hikkaduwa-See
Wir sind zur Zeit auf Rucksackreise. Daher gibt es nur einen kurzen Bericht, da ich leider nicht über eine super tastatur verfüge. Außerdem werde ich leider die entsprechenden Bilder erst später hinzufügen können. (Anmerkung: Hinzugefügt am 18.2.)
Hikkaduwa-Beach
Einige Worte zu unserer Woche im Krankenhaus. Es ist vor allem heiß! Die ärzte tragen dort alle keinen Kittel, für studenten ist dies jedoch eigentlich vorgeschrieben und so halten wir uns (noch) daran. Ein klein wenig erfrischung bietet die milchbar, die echt leckeren kakao im angebot hat. In der inneren medizin sind wir jetzt fünf ausländische studenten. Außer den bereits genannten noch ein deutscher und ein medizinstudent aus london. Der tag besteht hauptsächlich aus der ward-round. Danach picken wir uns noch so 2-3 patienten heraus, die wir nachuntersuchen. Mehrmals in der woche gibt es noch kleine fortbildungen, wie z.b. letzte woche über dengue-fieber. Die hygienischen Bedingungen sind  nicht  mit denen in Deutschland zu vergleichen: Über die Krankenhausflure streifen such schonmal streunende Hunde und desinfektionsmittel gibt es zumindest auf station nur in den kitteltaschen der ausländischen Studenten.
Waran? Leguan? Reptil!
Tempel
Die Nachmittage der letzten Woche verbrachten wir mit der Suche nach einer passenden längerfristigen Unterkunft. Nach langem hin und her und einigen Besichtigungen haben wir uns jetzt zu viert für ein apartment in unawatuna entschieden - etwa 200m vom Strand entfernt. Diese ist jedoch erst ab sonntag den 17.2. zu bezeihen, so dass wir kurzfristig unsere pläne änderten, eine Woche frei nahmen und uns auf den weg die küste hinauf machten. Hier wollen wir auch am kommenden Dienstag unsere dritte Mitreisende ;) abholen. Gestern ging es also mit dem bus zunächst 15 km nach hikkaduwa - einem sehr touristischen, früher von hippies ("hippieduwa") bevölkertem ort, der heute als super surf-spot gilt. In einer relativ schäbigen Unterkunft mussten wir mit der einen oder anderen  kakerlake kämpfen. Anschließend ging es zum abendessen in ranjids hut - einer bar die es wohl schon seit 68ger zeiten gibt. Heute haben wir es uns nicht nehmen lassen selber einmal aufs surfbrett zu steigen. Jasmin entpuppte sich dabei als absolutes Naturtalent. Ich war aber auch ganz zufrieden und so wird es sicher nicht das letzte mal gewesen sein, dass wir uns bretter leihen.
Danach wollten wir eigentlich zum hikkaduwa-see, den aber weder unser tuk-tuk fahrer, noch wir in einem 45 min-marsch in der mittagshitze so richtig finden konnten.
Kriegsbemahlung vor dem ersen Surfversuch

Dafür lernten wir einen einen super netten burgher (eine art mischling aus europäer und sri-lanker) kennen, der uns spontan eine privatführung durch einen buddhistischen tempel bescherte. Die haupthalle mit tausenden motiven aus buddhas leben wurde mit einem ca.40 cm grossen schlüssel aufgeschlossen.
Heute abend sind wir dann in bentota angekommem. Hier gibt es, außer einem sehr schönen Strand, eine lagune, die durch den geschlängelten verlauf des bentota gangs zustande kommt. Hier tummeln sich Taucher, Wasserski-fahrer und Windsurfer.
Morgen geht es dann weiter richtung colombo, der hauptstadt. Mal sehn wo wir dann nächtigen - dann gibts bald wieder neuigkeiten.